Rede // [Flugblatt]


- Wandelt Wut und Trauer in Widerstand -
Wir trauern um Carlos Javier Palomino

Am Sonntag, dem 11. November 2007 wurde der 16-jährige Antifaschist Carlos Javier Palomino in einer Madrider U-Bahn-Station von einem 24-jährigen Neonazi durch einen Stich ins Herz ermordet. Carlos war mit FreundInnen auf dem Weg zu einer Gegenkundgebung zu einer Nazidemo der „Democracia Nacional“ (DN), welche unter dem Motto „Nein zum antispanischen Rassismus! Nein zur Migration!“ stattfand. Der 24-jährige Berufssoldat stach einem zweiten Antifaschisten mit seinem Jagdmesser in die Lunge und verwundete drei Weitere. Der Soldat erkannte die antifaschistischen Jugendlichen an ihren Antifa-Buttons und griff sie aufgrund dessen an.

Als die Nachricht des faschistischen Mordes auf der Gegenkundgebung bekannt wurde, versuchten die Antifas vehement die Nazidemo zu verhindern. Die Polizei schützte die faschistische Demonstration, in dem sie die GegendemonstrantInnen mit Gummipatronen unter Beschuss nahmen, mit dem Effekt, dass die Faschisten ihren Aufmarsch unbehelligt durchführen konnten.
Es ist nicht das erste Mal, dass Angehörige der spanischen Armee faschistisch motivierte Gewalttaten begehen. Zur Zeit sind vier Soldaten angeklagt, einem bekannten politisch Aktiven und Homosexuellen nachgestellt und ihn auf offener Straße zusammengeschlagen zu haben. Auch im Allgemeinen nehmen rassistische Gewalttaten in Spanien zu: vor Kurzem wurde in Barcelona eine Migrantin brutal und sexistisch von einem Rechten in der Metro attackiert. Der Angreifer ist auf freiem Fuß.
Die DN, welche zur Demonstration aufgerufen hatte, ist eine faschistische Partei nach dem Vorbild der der französischen Front National. Es bestehen auch Verbindungen zu anderen faschistischen und rassistischen Parteien in Europa, so zu den deutschen Naziparteien DVU und NPD. Udo Voigt, der Vorsitzende der NPD, rief bei seinem letzten Spanienbesuch an ein Bündnis zwischen spanischen und deutschen Faschisten. Genau wie ihre deutschen Kameraden, übernahm auch die DN ein rassistisches Wahlplakat der Schweizer Volkspartei. In der auf Spanien abgestimmten Version tritt ein weißes Schaf ein schwarzes von der spanischen Flagge herunter. Doch Worten folgen leider immer häufiger auch Taten: 2005 machten Anhänger der Partei eine Hetzjagd auf Einwanderer im Madrider Stadtteil Villaverde. Entstanden ist die Partei im von Franco gegründeten „Spanischen Kreis der Freunde Europas“ (CEDADE). Ex-Parteiführer Varela Geiss versucht mit einem Buchladen in Barcelona gegen die „Auschwitz-Lüge“ und die „jüdische Weltherrschaft“ vorzugehen.
In den deutschen Medien wurde die Tat nahezu totgeschwiegen oder falsch dargestellt. Der Spiegel schreibt über eine „Massenschlägerei“ zwischen Linken und Rechten in der Madrider U-Bahn bei der angeblich ein „20-Jähriger“ Antifaschist ums Leben gekommen sei. Diese Verdrehung der Tatsachen ist ein skandalöses Beispiel für die Art und Weise der deutschen Presse mit faschistischen Morden umzugehen. In der spanischen Presse wurde die Tat als Teil eines Bandenkrieges dargestellt und teilweise sogar dem Opfer die Schuld zugeschoben. Dies entspricht ganz dem Kurs der spanischen Regierung, welche linke Parteien verbietet und die Antifaschisten schwersten Repressionen aussetzt, während die faschistische Franco-Partei Falange bei der letzten Wahl vollkommen legal antreten durfte. Es ist absolut inakzeptabel, dass immer wieder AusländerInnen, AntifaschistInnen, Linke und Homosexuelle in ganz Europa von Faschisten angegriffen oder gar ermordet werden.
Wir nehmen es nicht hin, dass der Mord an einem Jugendlichen von der medialen Öffentlichkeit relativiert, totgeschwiegen oder pervertiert wird. Wir richten unseren Protest gegen das Vorgehen des spanischen Staates, der Faschisten gewähren lässt und zusieht, wie Menschen überfallen und ermordet werden. Außerdem protestieren wir gegen das repressive Vorgehen aller europäischen Staaten gegen MigrantInnen, Linke und AntifaschistInnen.
Wir trauern um Carlos Javier Palomino und erklären unsere Solidarität mit seinen Angehörigen, FreundInnen und GenossInnen!



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