[Rede] // Flugblatt

Liebe Leute,
heute haben wir uns im Andenken an Carlos Javier Palomino versammelt.

Carlos wurde am vergangenen Sonntag ermordet. Er befand sich auf dem Weg zu einer Kundgebung gegen einen Aufmarsch der faschistischen Democracia Nacional.

Der Mörder war ein 24-jähriger Berufssoldat der spanischen Armee und war auf dem Weg zu eben jenem Nazi-Aufmarsch. Er erkannte Carlos und seine FreundInnen an deren Antifa-Buttons
und stach auf diese mit einem Jagdmesser ein.

Er tötete Carlos mit einem Stich ins Herz,
verletzte einen anderen Antifaschisten mit einem Stich in die Lunge und verwundete zwei weitere.

Für Mittwoch rief eine antifaschistische Organisation zu einer
Trauerdemonstration in Madrid auf.
Doch die Behörden hatten nichts besseres zu tun, als diesen Aufruf als „Gefährdung für die öffentliche Ordnung“ zu diskreditieren und verbot unter diesem Vorwand die Demonstration.

Die Wirklichkeit des Mordes an Carlos zeigt dagegen, dass die tatsächliche
Gefährdung von den Faschisten und nicht von ihren Gegnern ausgeht.

Die spanische Presse stellt den Mord als Teil eines Bandenkrieges dar und schiebt
teilweise sogar dem Opfer die Schuld zu.

Auch die deutsche Berichterstattung ist kaum besser: während die meisten
bürgerlichen Medien den Mord gar nicht erst erwähnen,
verdreht „DER SPIEGEL“ die Tatsachen, indem er behauptet, der Mord sei das Ergebnis einer
„Massenschlägerei“ zwischen Linken und Rechten und beachteten nicht einmal das
tatsächliche Alter des minderjährigen Opfers;
sie machten ihn einfach mal vier Jahre älter.

Es ist bei weitem nicht das erste Mal, dass die Presse und die Behörden in dieser
Weise auf solche Verbrechen reagieren.
Wir nehmen solch eine Unterschlagung, Relativierung und Umdeutung faschistischer
Morde nicht länger hin!

Neben den Reaktion ist ebenfalls nicht neu, dass Soldaten der spanischen Armee
rechtsradikal motivierte Gewalttaten begehen.

Ein paar Beispiele:
Zur Zeit sind vier Soldaten angeklagt, einem bekannten Schwulen und politisch
aktiven Linken nachgestellt und ihn auf offener Straße zusammengeschlagen zu haben.

Auch Migranten haben unter faschistischen Gewalttaten zu leiden.
Vor kurzem wurde eine Migrantin aus Ecuador von einem 20-jährigen erst sexuell
belästigt und dann brutal ins Gesicht geschlagen und getreten.

Um den spanischen Staat zu einer Verfolgung der Tat zu bewegen, musste erst das
ecuadorianische Außenministerium intervenieren.

Der Täter ist bis heute auf freiem Fuß.

All diese Vorfälle und die Rolle des Staates hierbei lassen sich in eine lange Reihe
derartiger Vorfälle in Europa und auch in Deutschland einreihen.

Auch vor zwei Jahren, nach dem Mord an dem Dortmunder Punk Thomas „Schmuddel“ Schulz durch einen Nazi, stritt die Justiz jeglichen politischen Zusammenhang ab und verurteilte den Mörder wegen „Totschlags“.

Warum ziehen sich Staat und Öffentlichkeit immer wieder aus der Verantwortung zurück?!
Derartige Verbrechen und deren mangelnde Konsequenzen sind keine Einzelfälle!
Sie passieren immer wieder und überall und sie können jederzeit wieder passieren.

Der Mord an Carlos rückt dies noch einmal auf unfassbare und drastische Weise in
unser Bewusstsein.

Die faschistische Gefahr ist mörderisch und in Europa überall und zu jeder Zeit
vorhanden.

Viel zu viele mussten dies bereits am eigenen Leib erfahren.

Wir möchten unsere tiefste Trauer um Carlos Javier Palomino ausdrücken und
faschistischen Gewalttaten und Morden ein entschiedenes „Nie wieder!“
entgegensetzen.

Und:
Wir rufen auch euch dazu auf, mit allen Mitteln zu kämpfen, um dieser Gewalt ein
Ende zu setzen.



-->